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Macht Pendeln krank?

Menschen in der Grand Central Station Halle
„Ja natürlich macht pendeln krank. “ Eine Aussage die jeder unterschreiben wird. Aber wie krank? Bzw. welche Krankheiten kann Pendeln verursachen?
„Stress und damit Burnout, ist doch logisch.“ Auch diese Aussage würde wohl jeder unterschreiben. Doch welche „Nebenwirkungen“ können noch auftreten beim Pendeln? Ist es einfach nur Stress? Würde es reichen einfach den Stress zu behandeln und schon ist alles gut und alle können fröhlich pendeln?
Gehen wir der Sache mal auf den Grund.

Stress

 
Warum haben Pendler mehr Stress als normale Arbeitnehmer? Sie sind täglich mehr stressigen Situationen zusätzlich zu dem normalen Berufs- und Freizeitalltag ausgesetzt. Staus, Verspätungen, Verspätungen und noch viele andere Situationen müssen Pendler verarbeiten. Ebenfalls sind bzw. sollten Pendler meist flexibel sein. Und je mehr Flexibilität nötig ist, desto anstrengender für das Gehirn und dadurch erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für ein erhöhtes Stresslevel. Auch das Gefühl weniger Zeit für alles zur Verfügung zu haben führt zu mehr Stress. Daher ist ein gutes Zeitmanagement für Pendler nochmal deutlich wichtiger als für andere.
Da erhöhter Stress bei Pendlern bekannt ist und quasi in jedem 2. Artikel über diese Thematik geschrieben wird, möchte ich das Thema hier auch nicht weiter ausführen.
Stattdessen möchte ich mich auf andere, weniger bekannte Nebenwirkungen konzentrieren. Da sich der gesamte Blog zukünftig um das Thema Stress, Zeitmanagement und Gesundheit dreht, möchte ich hier auch keine Lösungen der Probleme anbieten. Für Lösungen verfolge bitte einfach weiter den Blog und ich verspreche dir dass du Lösungen findest!
 
 
 

Psychische Erkrankungen

Und ja gleich zu Anfang komme ich nochmal kurz zum Thema Stress zurück. Auch wenn in diese Statistik noch viele andere Dinge als nur Stress einfließen, ist er natürlich ein Hauptverursacher.
Was sehe ich in der Grafik? Eine Statistik welche die Arbeitsunfähigkeitstage, also Krankentage, aufgrund psychischer Erkrankungen mit der Entfernung zum Arbeitsplatz in Verbindung bringt.
Auch wenn die Statistik von 2011 ist, ist sie aussagekräftig. Natürlich fließen hier noch andere Parameter ein und nicht nur der Effekt des Pendelns. Aber es ist interessant das es eine Verbindung zwischen der Distanz und den Krankheitstagen gibt. Woher kommt das? Meiner Meinung nach verstärkt Pendeln die möglichen Krankheitsursachen. Viele Arbeitnehmer fühlen sich erschöpft oder lustlos bei der Arbeit. Weitere Erscheinungen sind nicht abschalten können, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Verärgerung über die Arbeit. Die meisten Menschen fühlen sich ohne lange Fahrtzeiten meist nicht zufrieden mit Ihrer Arbeit. Kommt noch ein langer Fahrtweg hinzu, welcher oftmals auch sehr stressig ist und viel Zeit kostet, verstärken sich die Faktoren. Es bleibt noch weniger Zeit zum abschalten, die Erschöpfung nimmt zu und damit auch die Kopfschmerzen. Zusätzliche kommen noch die Überstunden hinzu, welche ebenfalls für Berufspendler einen viele größeren Effekt haben als für andere Arbeitnehmer.
In die gleiche Kerbe schlägt die Studie von Nobelpreisträger Daniel Kahnemann. Sie untersuchten die Sorgen, Freuden und Erholungen der Personen in Abhängigkeit der Pendeldistanz. Heraus kam dass die Sorgen mit zunehmender Distanz zum Arbeitsplatz steigen. Gleichzeitig nimmt die Freude mit der Weite ab. Ebenfalls nimmt die Erholung der Arbeitnehmer mit der Distanz ab.
 

Blutdruck & Übergewicht

Eine weitere Studie aus den USA hat explizit die Auswirkungen der Pendeldistanz untersucht. Auch eine Vergleichsgruppe wurde herangezogen. Dazu wurden im Großraum Dallas und Austin 4297 Bewohner zu ihrer Pendelstrecke befragt. Die Studienteilnehmer wurden medizinisch untersucht. Besonderes untersucht wurden die Risikofaktoren Körpergewicht, Taillenweite, Blutfettwerte und Blutdruck.
Ergebnis der Studie ist das Pendler mit einem Fahrtweg von mehr als 15 km zur Arbeit einen höheren Blutdruck haben als Pendler mit einer geringeren Strecke. Pendler, welche mehr als 24 km pro Fahrtweg haben, sind häufiger übergewichtig. Diese Pendler wurden mit Menschen gleichen Alters, Geschlecht, Konstitution und Lebensweise verglichen. Abschließend sei zu sagen dass auch hier andere Aspekte nicht mit einbezogen wurden (Sitzverhalten, Essen, etc.).
Übergewicht kommt auch daher zustande dass Berufspendler, bedingt durch Auto- oder Zugfahrt, mehr sitzen als andere. Dadurch ist weniger Bewegung vorhanden. Weniger Schlaf spielt hier ebenfalls eine große Rolle.

Burnout 

 
Für Burnout gibt es 3 Hauptsyptome:
  • emotionale Erschöpfung
  • Zynismus
  • nachlassende Leistungsfähigkeit
Eine kanadische Studie in Quebec hat diese 3 Symptome bei Berufspendlern untersucht. Sie kommen zu dem Ergebnis dass die Länge des Arbeitsweges ein Faktor ist.
Bei einem Fahrtweg von mehr als 20 min zur Arbeit erhöht sich das Risiko für Zynismus bzw. eine zynische Einstellung zur Arbeit. Wie stark der Effekt ist hängt allerdings stark von verschiedenen Faktoren ab. Diese Faktoren sind u.a. die Reisebedingungen, also Bahn oder Auto, etc. Auch vom Arbeitsplatz an sich und wie wohl man sich dort fühlt. Und natürlich auch von der Persönlichkeit des Berufspendlers.

Pendler Amnesie

 
Eine interessante, sehr spezifische „Krankheit“ ist die sogenannte Pendler Amnesie. Durch die täglichen Belastungen stehen Berufspendler teilweise in einem solchen Stress dass sie höhere Blutdruckwerte als Kampfpiloten aufweisen. Dadurch vergessen diese grosse Teile ihres Arbeitsweges. Das kann sich so steigern dass pro Woche quasi einen ganzen Arbeitstag aus dem Bewusstsein verliefen bzw. sich nicht daran erinnern können. Das Wort Pendleramnesie hat sich eingebürgert, dennoch ist es nicht nur ein Phänomen von Pendler. Allgemein gilt dass Menschen unter Stress vergesslich werden. Dennoch ist, durch den erhöhten Stress eines Berufspendlers, dieser natürlich besonders anfällig für diese Amnesie.

Nacken- und Rückenschmerzen

 
Eine amerikanische Studie hat festgestellt dass Pendler mit zunehmender Distanz vermehrt an Rückenschmerzen und Nackenproblemen leiden.
Dies kann man leicht nachvollziehen. Die meisten Berufspendler sitzen während der Fahrtzeit. Durch die Nutzung von Bus, Bahn oder auch Auto lässt sich dies auch schlecht vermeiden. Beim Auto hat man hier sogar noch den größten Einfluss, durch ein entsprechend komfortables Auto oder zumindest gute Sitze. Aber bei der Bahn oder im Bus oder U-Bahn sind die Sitze meist nicht sonderlich bequem und auch nicht für jeden rückenschonend. Dazu kommt dann noch bei den meisten ein Bürojob, sie sitzen also auch auf der Arbeit quasi den ganzen Tag. Stellt man sich das mal übertrieben vor kommt man täglich auf ca. 10 sitzen während der Arbeit und daheim sicherlich auch nochmal auf 1-2h sitzen oder mehr. In Summe macht das für einen 24h Tag, bei 7-8h Schlaf, bis zu 12 h sitzen. Also 50% des Tages. Dass das zu wenig Bewegung ist lässt sich unschwer erkennen.

Fazit

 
Nicht nur Stress beim Pendeln hat gesundheitliche Folgen. Er hat natürlich viele direkte und indirekte Einflüsse. Ebenfalls ist diese Auflistung auch nicht vollständig. Aber ich möchte hier auch nicht weiter schwarz malen und das Pendeln total verteufeln. Ich möchte helfen dass Menschen durch und trotz der täglichen Pendelei ein besseres und hochwertigeres, erfolgreicheres Leben führen. Gerade daher ist es umso wichtiger diesen Stress unter Kontrolle zu bekommen. Und da möchte ich mit diesem Blog helfen.
Daher die Frage: Wo haben Sie Probleme beim Pendeln? Welche Beschwerden treten bei Ihnen auf? Wo wünschen Sie sich eine Verbesserung? Schreiben Sie mir!
Bleiben Sie dran, wenn Sie Methoden, Tools und Denkweisen kennen lernen möchten um ihr Pendelleben in den Griff zu bekommen.
Use your time, it`s yours!
Marc
Quellen:
  1. http://www.gallup.com/poll/142142/Wellbeing-Lower-Among-Workers-Long-Commutes.aspx

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